Wenn Kinder plötzlich sterben
Wenn der Tod ohne jegliche Vorwarnung eintritt, können Schock und Unfassbarkeit überwältigend sein. Es ist ohnehin einfach nicht der natürlich Lauf der Dinge, dass ein Kind vor seinen Eltern stirbt. Ganz besonders unbegreiflich ist dies dann aber, wenn das Kind plötzlich oder durch Gewalt starb. In diesen Fällen gibt es keine Gelegenheit sich darauf vorzubereiten, Mißverständnisse aus dem Weg zu räumen oder sich zu verabschieden. Für die Eltern und Geschwister verändert sich das Leben für immer, und zwar von einem Moment zum anderen, und es dauert seine Zeit bis begriffen wird, was da eigentlich geschehen ist.© photocase Benutzerprofil von emma75

Schock
Dies ist oft die erste Schutz-Reaktion des Körpers auf einen unerwarteten Todesfall. Es ist wie ein Stich mitten ins Herz. Manchmal fühlt man sich wie betäubt, so dass das äußere Familienleben fast wie normal weiterläuft, man die Beerdigung relativ ruhig über sich ergehen lässt und es einem schwer fällt seine Gefühle zum Ausdruck zu bringen. Viel später fragt man dann verwundert, wie man das alles nur hat leisten können. Der Schock mit all seinen Symptomen ist ein normaler Schutzmechanismus des Körpers und es kann mehrere Tage und oft sogar Wochen dauern, bis die Betroffenen wirklich begreifen, was geschehen ist. Zu diesem Prozesses kann es auch gehören, sich immer wieder zu frage, wo die Seele des Kindes so schnell hingeflogen ist. Oft wird der Glaube in Frage gestellt - manchmal jedoch auf Dauer sogar eher gefestigt .Einige Betroffene warten auf ein „Zeichen" des Kindes. Andere wenden sich Drogen und Alkohol zu, was für eine Weile den Schmerz betäuben kann, aber letztendlich nur zu Depressionen und Einsamkeit führt.


Schuldgefühle
Es ist auch normal sich schuldig zu fühlen für das was geschehen ist. Eltern denken, dass es zu ihren Aufgaben gehört ihre Kinder zu beschützen. Nun ist das King gestorben und sie haben das Gefühl, ihren Kindern nicht den notwendigen Schutz gegeben zu haben. Auch Fragen wie „was wäre gewesen wenn?" oder „warum habe ich nicht?" und „wenn doch nur" sind ganz normal, sollten aber nicht dazu führen, sich selbst die Schuld an allem zu geben. Ganz egal wie irrational ihre Gefühle vielleicht sind hilft es, immer wieder darüber zu reden - mit der Familie, aber besonders mit unvoreingenommenen Leuten, wie den Mitgliedern der Verwaisten Eltern. Manchmal hilft es ein Tagebuch zu führen. Dort kann man schriftlich festhalten wie es vielleicht gewesen wäre sich zu verabschieden, und man kann einige unausgeprochene Dinge zum Ausdruck zu bringen. Schließlich werden die Schuldgefühle nicht mehr so sehr im Mittelpunkt der Trauer stehen. Langsam lernt man auch zu begreifen, dass viele Tragödien im Leben nicht zu verhindern oder vorherzusehen sind.


Die Realität akzeptieren
© photocase Benutzerprofil von mem-filmWenn wir verstanden haben, dass wirklich wahr ist, dass unsrer Kind gestorben ist, wenn wir es als Realität begriffen haben, setzen oft Wutgefühle und tiefe Trauer ein. Wut entsteht, da der Tod oft als eine große Ungerechtigkeit betrachtet wird Diese Gefühle sind normal. Die Wut richtet sich meist gegen die, die verantwortlich sind, gegen Gott oder gegen alles und jeden. Man sehnt sich häufig danach, bei seinem Kind sein zu können. Gespräche mit anderen betroffenen Eltern können helfen zu erkennen, dass man nicht alleine ist, dass die Gefühle und Gedanken die man hat, normal sind und dass man nicht dabei ist, seinen Verstand zu verlieren. Viele Familien berichten dass es das Schwierigste sei zu sehen, dass die Welt sich weiterbewegt, obwohl das Kind, der Bruder oder die Schwester nicht mehr da ist. Deswegen ist es auch sehr wichtig, einen besonderen Weg zu finden wie man das Kind in Erinnerung behält. Dies könnte zum Beispiel bedeuten, dass man das Kind so oft wie möglich in Gesprächen erwähnt, oder Geschichten über das Kind erzählt werden, oder auch indem man Familienmitglieder und Freunde versammelt, um des verstorbenen Kindes zu gedenken.


Reorganisation und Neuorientierung
Jeder Mensch trauert auf seine eigene Art und Weise. Durch diesen Trauerprozess lernt die Familie ohne das Kind und mit der Leere zu leben. Zu glauben, man werde nach einer gewissen Zeit wieder der oder die „ Alte" ,ist ein Mythos. Betroffene Familien bekommen zwar mit der Zeit ihr Leben wieder in den Griff, doch es wird ein anderes leben sein. Nie werden sie wieder dasselbe Leben führen wie vor dem Todesfall. Die Familieneinheit hat sich für immer verändert. Ein Platz am Tisch wird von nun an leer sein. Um mit diesen Veränderungen leben zu lernen, kann es für Familien hilfreich sein, kurz- und langfristige Unterstützung in Anspruch zu nehmen. Dies gilt ganz besonders dann, wenn das Kind plötzlich starb. Einige benötigen vielleicht auch Hilfe, um mit der Angst fertig zu werden, dass nun auch noch einem anderen Familienmitglied etwas zustoßen könnte.

Ganz allmählich lässt der „wahnsinnige" Schmerz nach, und der Tod ist nicht mehr der Fokus des Lebens. An die Stelle des Schmerzes tritt dann - wenn wir es zulassen - © photocase Benutzerprofil von rachelDankbarkeit, dieses Kind gehabt zu haben und die Freude an Erinnerungen. Manche Familienmitglieder entdecken in sich auch einen ganz neuen Ehrgeiz, ein Leben zu führen zu Ehren des verstorbenen Kindes, Bruders, der Schwester oder des Enkels - ein Leben, auf das der Verstorbene stolz wäre.

Einige Betroffene, denen durch die Verwaisten Eltern der schwere Weg durch die Trauer erleichtert wurde, arbeiten auch lange nach dem Todesfall aktiv bei den Verwaisten Eltern weiter, um so auch anderen helfen zu können. Die beste Möglichkeit, beständig Unterstützung durch die Trauer zu erhalten ist, anderen Familien auf deren Weg durch die Trauer zu helfen. Dennoch muss jeder für sich einen eigenen Weg finden, um dem Leben einen neuen Sinn zu geben. Familien müssen - auf verschiedenste Weise - den Verlust in ihr Leben integrieren, und ihre Energien wieder in Liebe, Arbeit und das Leben investieren. Die Verbindung zum Kind, Bruder oder Schwester oder Enkel wird niemals abbrechen, da die Liebe immer bestehen bleibt.

Wie können wir helfen?
Ein Kind ist gestorben. Unabhängig davon wie alt das Kind war oder unter welchen Umständen es gestorben ist, werden Sie sich möglicherweise hilflos fühlen. Was können Sie sagen, das den Schmerz lindern und die Verletzung heilen könnte?

Konkrete Hilfe
Es gibt keine einfachen Antworten, keine Patent Rezepte, die in jeder Situation für jeden Trauernden passen , die immer hilfreich sind. Es gibt keine Zauberformel durch die der Schmerz verschwindet. Es ist ganz natürlich, sich hilflos zu fühlen wenn ein Kind in der Familie oder im Freundeskreis stirbt. Denken Sie daran, dass es für eine trauernde Familie unheimlich tröstend sein kann, wenn ihnen liebevolles Interesse und Anteilnahme entgegengebracht werden. Meiden Sie die Familie bitte nicht weil Sie glauben, sie würden nur stören. Familien fällt es leichter zu einer gesunden, positiven Einstellung zu ihrer Trauer zu kommen, wenn sie durchgängig Unterstützung und Verständnis von anderen erhalten. Die folgenden Lassen Sie sich von den folgenden Vorschlägen inspirieren und ermutigen, diese Unterstützung zu bieten:

* Versuchen Sie nicht, "Zauberworte" zu finden, die den Schmerzen verschwinden lassen. Es gibt keine!. Eine Umarmung, eine Berührung oder ein schlichtes ‚Es tut mir so leid´ bieten eine Menge Trost und Unterstützung.© photocase Benutzerprofil von re84

* Haben Sie keine Angst weinen zu müssen. Ihre Tränen sind eine Anerkennung für das Kind, die Eltern und die ganze Familie. Ja, vielleicht werden die Eltern anfangen mit Ihnen zu weinen, aber diese gemeinsam geweinten Tränen können wichtig sein für den Trauerprozess. Vermeiden Sie es zu sagen "Ich weiß wie Du Dich fühlen musst". Es ist sehr schwierig, die Schwere und Tragweite des Verlustes zu verstehen, wenn ein Kind gestorben ist Die Behauptung es verstehen zu können, kann anmaßend auf die Eltern wirken.

* Vermeiden Sie es Dinge zu sagen wie: "Es war Gottes Wille" oder andere Klischees, die den Tod des Kindes herabsetzen oder erklären sollen. Versuchen Sie auch nicht, positive Dinge angesichts des Todes des Kindes zu sehen wie "Wenigstens habt ihr noch andere Kinder" Solche Sätze machen alles nur noch schlimmer, denn kein Kind kann ein verstorbenes je ersetzen. Akzeptieren Si einfach, dass es keine Worte gibt, die den Tod des Kindes wieder gutmachen könnten..

* Hören Sie zu! Lassen Sie die Familie ihre Wut, Fragen, Schmerz, Fassungslosigkeit und die Schuld, die vielleicht empfunden wird, zum Ausdruck bringen. Sie müssen verstehen, dass Eltern manchmal das Bedürfnis haben, immer wieder über ihr Kind und die Todesumstände zu reden. Mit einer einfachen Frage wie "Magst Du mir davon erzählen?" kann es gelingen, Trauernde zum Reden zu ermutigen.

* Vermeiden Sie jegliches Urteil, jede Beurteilung oder gar Verurteilung .dessen, was die Angehörigen tun. "Du solltest..." oder "Du solltest nicht..." ist weder passend noch hilfreich. Entscheidungen und das Verhalten Trauernder können in einigen Fällen sehr extrem erscheinen. So Z.B. bezüglich des Aufstellens oder Entfernens von Fotos , dem Bedürfnis sich den Tod noch einmal vor Augen zu führen, das Kind zu idealisieren, des Umgangs mit Wut, Depression oder Schuld.. Dennoch sind diese Verhaltensweisen normal, besonders in den ersten Jahren nach dem Tod des Kindes.

* Seien Sie sich darüber im Klaren, dass der Tod eines Kind, besonders bei sehr religiösen Eltern, ernste Zweifel an Gott hervorrufen kann. Versuchen Sie nicht Antworten zu liefern. Wenn die Eltern dieses Thema ansprechen, versuchen Sie lieber zuzuhören und die Eltern ihre eigenen Gefühle erleben zu lassen. Sie werden ihre eigenen Antworten zu diesem Thema finden müssen.

* Seien Sie " einfach" da für die Eltern. Machen Sie Besorgungen, helfen Sie im Haushalt, kümmern Sie sich um die anderen Kinder und helfen Sie einfach, wo immer Hilfe benötigt wird. Sagen Sie nicht: "Ruft mich einfach an wenn ihr mich braucht", da dieser Anruf höchstwahrscheinlich nie kommen wird. Erkennen Sie selbst wo Hilfe benötigt wird und bieten Sie spezielle Dinge an.© photocase Benutzerprofil von bjb123

* Schenken Sie den übrigen Kindern besonders viel Aufmerksamkeit. Sie leiden, sind verwirrt und werden oft übersehen in ihrer Not. Nehmen Sie nicht an, sie würden nicht leiden nur weil sie ihre Gefühle scheinbar nicht zeigen. Oft verstecken Geschwisterkinder ihre Trauer, da sie ihren Eltern nicht zusätzlichen Schmerz zufügen wollen. Reden Sie mit ihnen und erkennen Sie den Verlust an.

* Erwähnen Sie den Namen des verstorbenen Kindes. Befürchten Sie nicht, dass es den Eltern noch mehr weh tut wenn über ihr Kind geredet wird. Normalerweise bewirkt es genau das Gegenteil. Indem man den Namen des verstorbenen Kindes benutzt, wird den Eltern das Gefühl gegeben, dass nicht nur sie sich an ihr Kind erinnern.

* Haben Sie Geduld. Sie müssen verstehen, dass in einer Familie jeder unterschiedlich mit seiner Trauer umgeht. Einige sprechen es aus, andere möchten überhaupt nicht darüber reden, einige ziehen sich zurück und andere zeigen sich sehr wütend.

* Für Eltern kann es sehr beruhigend sein, wenn man schöne Erinnerungen an das Kind ("wisst ihr noch als er/sie..." oder "er eine tolle Begabung für...") mit ihnen teilt und ihnen so zeigt, dass man das Kind geschätzt hat und sich des Verlustes bewusst ist. Erzählen Sie amüsante Anekdoten über das Kind. Haben Sie keine Angst davor zu lachen. Es kann beim Heilen des Schmerzes helfen.

* Denken Sie an besonderen Tagen wie Geburtstag oder Todestag des Kindes an die Familie. Schicken Sie eine Karte, rufen Sie an oder besuchen Sie die Familie. Lassen Sie sie wissen, dass Sie auch daran gedacht haben.

* Ermutigen Sie vorsichtig dazu, Aktivitäten wieder aufzunehmen. Schlagen Sie vor Essen zu gehen oder sich einen Kinofilm anzusehen, als eine Abwechslung von der Einsamkeit in der Trauer. Geben Sie nicht auf wenn Ihre Einladung abgelehnt wird. Fragen Sie immer und immer wieder. Ihr dritter oder vierter Anruf könnte genau an dem Tag erfolgen, an dem ihre Einladung gerne angenommen wird.© photocase

* Es gibt keinen Standard-Zeitplan für die Trauer Jeder braucht seine eigene Zeit.. Normalerweise dauert die Trauerzeit länger als erwartet. Ermutigen Sie trauernde Familien, geduldig mit sich selbst zu sein. Oft werden ihnen Dinge gesagt wie:"Pack Dein Leben wieder an. Es wird Zeit, dass Du darüber hinwegkommst!" Diese Anforderungen sind unfair und vor allem unrealistisch. Wenn Eltern sich darüber beklagen, müde, deprimiert, wütend, ständig den Tränen nahe zu sein oder sich schlecht konzentrieren zu können, versichern Sie ihnen, dass Trauerarbeit seine Zeit braucht und dass Sie vielleicht zu viel zu früh von sich selbst erwarten.

* Gehen Sie sensibel mit den Veränderungen in einer trauernden Familie um. Familienmitglieder können neue Verhaltensweisen und Rollen annehmen, wenn sie versuchen ohne ihr Kind zu leben. Dies ist ein langwieriger und schmerzvoller Prozess. Erwarten Sie nicht, dass Ihre Freunde sich durch diese Erfahrung nicht verändern werden. Gehen Sie davon aus, dass sie es tun.

* Verweisen Sie die trauernde Familie an die Verwaisten Eltern. Vielleicht gibt es dort etwas oder jemand, der ihnen Freundschaft anbietet, sie versteht und ihnen Hoffnung gibt.

* Halten Sie Kontakt zu der Familie. Trauer hört nicht bei der Beerdigung oder an dem ersten Jahrestag auf. Melden Sie sich häufig, und erwähnen Sie in Unterhaltungen den Namen des verstorbenen Kindes ebenso locker, wie Sie den Namen eines anderen Familienmitgliedes in den Mund nehmen würden.

Im Namen aller betroffenen Familien bei den Verwaisten Eltern möchten wir uns bei all denen bedanken, die genug Interesse haben um helfen zu wollen. Ihre liebevolle Anteilnahme kann Rettung bedeuten.

Manchmal können wir nicht mehr füreinander tun als einfach nur da zu sein.

Quelle
Bundesverband Verwaiste Eltern in Deutschland
Link

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